„30“ (Live im Canu, Hannover)

Comeback eines Formats, das nie als Serie gedacht war.

Es gibt Künstler, die verwalten ihr Werk. Und es gibt die, die einfach irgendwann wieder auftauchen.

Robin Günzel gehört klar zur zweiten Kategorie.

Sein Debüt „18“ – damals weniger ein Album als vielmehr ein einmaliges Live-Event zu seinem 18. Geburtstag – erschien vor ziemlich genau zwölf Jahren. Danach verschwand das Format vollständig von der Bildfläche. Keine jährlichen Releases, keine Reunion-Shows, nicht mal ein akustisches Wohnzimmer-Set. Stattdessen: konsequente Veröffentlichungspause.

Mit „30“ folgt nun überraschend das Comeback. Und wie es sich für ein gutes Zweitwerk gehört, ist es kein bloßes Wiederaufwärmen, sondern ein klar gesetzter Neuanfang. Anlass ist – man ahnt es – sein 30. Geburtstag.

Musikalisch sozialisiert irgendwo zwischen Punkrock, Metal und deutschem Indie-Pop, zog es Günzel früh in die Clubs der Stadt: Korn, Glocksee, Chez Heinz, Faust. Orte, an denen man weniger lernt, wie man Musik macht – sondern eher, wie sich ein Abend richtig anfühlen muss.
Wer mit ihm auf einem Festival war, weiß, dass sein Musikgeschmack im Zweifel sehr anpassungsfähig ist – und dass er als Urheber der „Festival Brainrod“-Playlist durchaus Maßstäbe gesetzt hat.

Sein erster Ausflug auf die Bühne folgte als Schlagzeuger bei MEMORIE. Doch während andere sich im Scheinwerferlicht einrichten, verlagerte sich sein Interesse schnell hinter die Kulissen. Technik statt Drumstick, Struktur und Präzision jenseits von HiHat-Figuren und Snare-Rolls – eine Zeit, die er trotzdem niemals missen wollen würde.

Seit über zehn Jahren ist Günzel Teil von exposive – und vor allem Teil eines eingespielten Kollegiums, das sich auch auf der Gästeliste deutlich widerspiegelt. Weniger „Firma“, mehr Crew. Leute, mit denen man nicht nur Produktionen fährt, sondern eben auch Abende wie diesen trägt. Parallel dazu bewegt er sich seit Jahren im erweiterten Kosmos von Culcha Candela. Auf die naheliegende Frage, ob sie auch beim aktuellen Release auftreten, bleibt nur die ernüchternde Erkenntnis: Er hat gefragt – aber ihr wisst ja, was es kostet, wenn die von A nach B fahren.

Abseits der Veranstaltungstechnik zeigt sich ein fast schon romantischer Gegenentwurf: Camping, Wohnwagen, Norwegen. Während andere Urlaube planen, plant Günzel gedanklich längst die nächste Route Richtung Norden. Fjorde statt Festivalbühnen – zumindest theoretisch. Dass diese Pläne aktuell eher Konzeptstatus haben, liegt an bekannten organisatorischen Nebenschauplätzen, die noch nicht ganz final ausproduziert sind.

Unabhängig von all dem gilt: Ob enger Kreis oder lose Verbindung – Menschen waren bei Günzel nie Beiwerk, sondern immer Teil des Gesamtbilds. Freundschaften werden hier nicht kuratiert, sondern mitgeschleppt, gepflegt und im Zweifel auch einfach mit eingeladen. Oder anders gesagt: Das Line-up besteht nicht nur aus Namen, sondern aus Geschichten. Und genau das zeigt sich auch in der Besetzung dieses Abends – eine bewusst heterogene Mischung aus Familie, langjährigen Wegbegleiter:innen, Arbeitscrew, alten Freundschaften und neuen Gesichtern, irgendwo zwischen jung, erfahren und allem dazwischen.

Im sozialen Gefüge ist er dabei eine verlässliche Konstante. Oder, wie es im erweiterten Freundeskreis heißt: „Günzel regelt das schon.“ Ein Satz, der irgendwo zwischen Running Gag und belastbarem Produktionsprinzip pendelt.

Dass „30“ trotz dieser Mischung aus Pragmatismus und latentem Eskapismus überhaupt stattfindet, ist nicht zuletzt einem funktionierenden Management zuzuschreiben. Hinter den Kulissen sorgt Sabrina Scholle dafür, dass aus Ideen auch tatsächlich ein Abend wird – irgendwo zwischen Koordination, Reality-Check und dem gelegentlichen Eingreifen im richtigen Moment.

„30“ selbst versteht sich dabei weniger als klassische Geburtstagsfeier, sondern eher als kuratiertes Live-Format mit offenem Ausgang.

Timing / Ablauf (Kurzfassung):

  • Optionales Warm-up: Von-Alten-Garten (wetterabhängig, Infos folgen) – dort ist bereits für Snacks gesorgt
  • Offizieller Start: 18:00 Uhr im Canu am Maschsee
  • Essen im Canu: Es wird gegrillt – mit fleischigen, vegetarischen und veganen Optionen, dazu gibt es Brot
  • Mitbringsel: Wer Lust hat, darf sehr gern noch einen Salat oder andere Snacks zum Buffet beisteuern
  • Getränke: Für Bier, Wein, Softdrinks und Heißgetränke ist gesorgt – wer mag, kann gerne sein Lieblingsgetränk mitbringen
  • Verlauf: dramaturgisch offen – von entspanntem Ankommen bis hin zu späten Höhepunkten

Was genau passiert, bleibt – ganz im Sinne guter Releases – bewusst vage. Klar ist nur: Wer erscheint, ist Teil des Abends.

Und wie es sich für ein gut kuratiertes Event gehört, gibt es auch einen kleinen Wunsch aus dem Off: Wer statt materieller Gimmicks lieber zur Produktionskasse beitragen möchte, trifft damit durchaus den richtigen Ton. Hintergrund ist ein laufendes Kapitel rund um das Thema Wohnwagen, das finanziell etwas mehr Raum einnimmt als ursprünglich geplant.

Fazit:
Ein spätes, aber stimmiges Zweitwerk. Keine Nostalgie, kein Pflichtprogramm – sondern ein sauber produzierter Re-Entry mit Haltung. Oder anders gesagt: lange nichts gehört, aber offenbar nichts verlernt.

Disclaimer: Selten hat sich eine Musikkritik so offensichtlich in die falsche Kategorie verirrt – aber ja, das hier ist eine Einladung zu meinem Geburtstag.

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